Das „Schwarze Kreuz“ im Rheinbacher Stadtwald – Die letzte Aktion der Neuen Pfade

Der Überlieferung nach erinnerte bis 1875 ein steinernes Kreuz an den Tod des Zisterzienserpaters, der an der Stelle hinter der Waldkapelle im Alter von 59 Jahren einen Schlaganfall erlitt und infolgedessen vom Pferd stürzte. Er soll gemeinsam mit seinem Knecht auf dem Heimweg von Ipplendorf gewesen sein. Zurück in Neukirchen ist er dann am frühen Morgen des folgenden Tages gestorben, wie die Sterbeurkunde im Rheinbacher Stadtarchiv belegt. Die Inschrift auf dem Kreuz nennt den 29. Juni gleichzeitig als Unglücks- und Sterbedatum. Dass der Text vom ursprünglich steinernen Kreuz übernommen wurde, vermutet der Rheinbacher Stadtarchivar Dietmar Pertz, da „die Art der Inschrift in Sprache und Schriftbild des gespiegelten „N“ eher in das 18. Jahrhundert passt und die Menschen zum Ende des 19. Jahrhunderts der hochdeutschen Sprache mächtiger waren.“ Die Replik ist am alten Standort aufgebaut. Zu dem Namen „Schwarzes Kreuz“ kam das Wegkreuz wohl dadurch, dass hölzerne Ausfertigungen durch einen Anstrich mit schwarzem Teer vor der Witterung geschützt wurden.

Flur- oder Wegekreuze sind in katholisch geprägten Gegenden häufig zu finden. Sie markieren Weg- und Straßenkreuzungen oder sind am Feldrand oder im Wald zu entdecken. Mit der Darstellung eines gekreuzigten Christus sind sie als Kruzifixe Zeichen christlichen Glaubens, in schlichter Optik aus Stein oder Holz kann der Anlass für ihre Errichtung vielfältig sein. Oft laden sie zum Gebet ein oder erinnern am Unglücksort an Schicksalsschläge.
Neben verschiedenen anderen Wegekreuzen ist den Rheinbachern vor allem das „Schwarze Kreuz“ im Stadtwald zwischen Neukirchen und Wormersdorf bekannt. Bevor die Initiative „Neue Pfade“ unter der Trägerschaft des Georgsring e.V. zum 31. März 2019 aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde, war es dem Mitarbeiterteam wichtig, als eines der letzten geplanten Projekte, eine Replik des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Kreuzes, zu erstellen.
Auf diese Weise soll das Gedenken an den 1803 verstorbenen Neukirchener Pastor Johannes Paul Rosenbaum langfristig gesichert werden. Der Überlieferung nach wurde der spätere Zisterzienserpater 1744 in Moselweiß bei Koblenz geboren und war seit 1786 als Pfarrer in Neukirchen tätig. Das vielfach restaurierte Holzkreuz aus dem Jahre 1875 befindet sich nun im Rheinbacher Stadtarchiv.

In enger Abstimmung mit Stadtarchivar Dietmar Pertz übernahm Schreinerin Andrea Kroymann Anfang 2019 die technische Leitung für das Projekt „Schwarzes Kreuz“, bei dem zehn Teilnehmer im Alter von Anfang 20 bis Mitte 60 ihre Fähigkeiten zum Einsatz brachten. Nach dem Abbau des Kreuzes am Eselsweg wurde die Inschrift abgepaust und auf den neuen, rund eineinhalb Meter großen Rohling aus Eichenholz übertragen.
Gut erkennbar ist nun wieder zu lesen: „Anno 1803 den 29De Junius ist hier im Herren eingeschlafen der Ehrsamer Her Johannes Paulus Rosenbum gewesen Pastor hier zur Neukirchen“. Nach der Genehmigung des Denkmalamtes sei nun durch die Arbeit der Neuen Pfade kostenlos für einen wetterfesten Ersatz gesorgt.

Verdienstvolle Einsätze der „Neuen Pfade“ – Eine Dokumentation

Nach einer Idee von Werner Gerhards hat Peter Gilles die Einsätze der „Neuen Pfade“ in den Jahren 2003 bis 2019 in einer Übersichtskarte eindrucksvoll dokumentiert.

Zur Erinnerung:

Ziel des Erfolgsmodells „Neue Pfade“ war es, insbesondere arbeitslose Jugendliche und Erwachsene nach Zuweisung durch die zuständigen Dienststellen auf eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihnen eine Arbeitsgelegenheit, zunächst als „Ein-Euro-Job“ anzubieten. Insgesamt rd. 3.000 Langzeitarbeitslose wurden hier in 17 Jahren betreut. Mehr als 110 fachliche und sozialpädagogische Personen, sowohl als Ehrenämter als auch als befristete/unbefristete Angestellte bzw. Honorarkräfte waren in diesem Sinne tätig. Träger der Maßnahme war der „Georgsring e.V. – Verein zur Förderung der Georgs Pfadfinderschaft Rheinbach“.

Die gesamte Dokumentation von Peter Feuser mit Bildern und umfangreichen Informationen über das Projekt „Neue Pfade“ steht zum Download bereit:

Download Dokumentation